Warum ein Abfall-Sammel-Wettbewerb?

Mit Leuchtwesten und Greifzangen ausgestattet sieht man sie manchmal in der Öffentlichkeit: Gruppen, die Abfall einsammeln. Manchmal sind es Asylsuchende, die für ein mickriges Taschengeld von ein paar Franken losgeschickt werden. Es kann entwürdigend sein, Asylsuchende für einen Stundenlohn von 3 Franken notwendige Arbeiten erledigen zu lassen. Es darf nie darum gehen, besonders vulnerable Gruppen auszunutzen!

Auf der anderen Seite steht der starke Wunsch der meisten Geflüchteten, sich einzubringen und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Es ist schlimm, zum Nichtstun verdammt zu sein. Und hätten sie eine Arbeitsbewilligung, würden die allermeisten Menschen – das ist eh klar – regulär arbeiten wollen und können.

Obwohl der Bund erlaubt, dass man mit N-Ausweis (Asylsuchende:r im laufenden Verfahren) einer Lohnarbeit nachgeht, ist es im Kanton Zürich de facto unmöglich, weil die Bewilligungserteilung durch das Amt für Wirtschaft so restriktiv ist. Den riesigen Aufwand, den die Arbeitgeber:innen betreiben müssten, um dann meistens doch eine Absage zu bekommen, lohnt sich schlicht nicht. Leandra Columberg, SP-Kantonsrätin und damals noch Vorstandsmitglied von Solinetz, hat dazu eine Anfrage im Kantonsrat eingereicht. Kürzlich zeigte die Antwort des Regierungsrates, dass er weiterhin nichts an der Praxis ändern will.

Da der Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe und sinnvoller Beschäftigung ein Grundbedürfnis aller Menschen ist, ist Freiwilligenarbeit eine der wenigen Möglichkeiten, die den Asylsuchenden bleibt. Doch sogar dafür sind Möglichkeiten spärlich; oft ist Vermittlungsarbeit nötig. Beim Solinetz sind viele Geflüchtete als Freiwillige aktiv!

Was bei uns immer im Zentrum steht, ist die Schaffung von Orten, an denen man sich treffen kann und zusammen eine gute Zeit haben. Und drum auch der Abfall-Sammel-Wettbewerb mit dem erz (Entsorgung und Recycling Zürich)! 🙂

Im Hochsommer, am 28. Juli, führten wir bereits einen Clean-up-day mit dem erz durch und testeten das Konzept: Trotz 35 Grad im Schatten arbeiteten wir ganz cool und fröhlich im Team. Gleichberechtigt, auf Augenhöhe, spürten wir die Müllfetzen auf und hatten dabei das gute Gefühl, unsere unmittelbare Umwelt von den Spuren des Littering zu befreien. Obwohl niemand einen Lohn für die Arbeit bekam, also alle komplett freiwillig da waren, hatten wir eine gute Zeit, Raum für Austausch und Geselligkeit. Es tut einfach gut, gemeinsam aktiv zu sein.

Vielleicht hast jetzt auch du Lust, im düsteren November bisschen aus dem Haus zu kommen?
Mehr Infos zum Abfall-Sammel-Wettbewerb am 10. November hier.